Diese Folge unserer Serie ist ein bisschen anders als die anderen. Denn hier schreibe ich nicht über einen Basar, den wir kennengelernt haben – sondern über den, aus dem MukiBasar überhaupt erst entstanden ist.
Der Elternbeirat der Grundschule Fronberg veranstaltet seinen Basar seit vielen Jahren. Zweimal im Jahr, saisonal: einmal im Herbst und einmal im Frühjahr. Zwischen 100 und 150 Verkäuferinnen und Verkäufer pro Veranstaltung. Weit über 400 zahlende Besucher – und die kommen selten allein, sondern mit Kind, Partner, Oma oder der Nachbarin, die gerade Zeit hatte.
Das ist kein Nebenprojekt. Das ist ein Großereignis, für das Elternbeirat, Lehrkräfte, Schulpersonal und eine ganze Reihe freiwilliger Helferinnen und Helfer zusammen anpacken. In Fronberg weiß man, wann Basar ist. Der Termin steht schon lange im Voraus im Kalender.
„Um Himmelswillen, was war das”
Über den Ursprung von MukiBasar gibt es im Team zwei Versionen. Beide stimmen. Das ist wahrscheinlich das Ehrlichste, was man über die Entstehung sagen kann.
Ramona erzählt es so:
„Also die Idee warf damals Yvonne auf den Tisch mit der Begründung: Wir brauchen etwas, was schneller geht, ohne lange Wartezeiten an den Kassen, unkomplizierte Etiketten – einfach zeitgemäß online gehen.”
— Ramona, Elternbeirat Grundschule Fronberg
Yvonne sieht das etwas anders:
„Das stimmt nicht ganz. Die Idee kam von Martin, nachdem ich fix und fertig nach meinem ersten Basar nach Hause kam und gesagt hab: um Himmelswillen, was war das 😂”
— Yvonne, Elternbeirat Grundschule Fronberg
Ich kann das bestätigen. Ich habe an dem Abend jemanden aufs Sofa fallen sehen, der zwölf Stunden lang sortiert, kassiert, geschleppt und wieder sortiert hatte. Und ich habe – wie das Entwickler eben tun, wenn sie sonst nicht helfen können – angefangen zu fragen: Warum eigentlich so? Warum dauert das Kassieren so lang? Warum muss am Ende jemand von Hand ausrechnen, wer wie viel bekommt?
Aus diesen Fragen ist alles Weitere geworden.
Das alte System hat seine Sache gut gemacht
Das gehört zur Geschichte dazu, und es wäre unfair, es wegzulassen: Fronberg hatte längst ein System. Kein Zettelchaos, keine Strichliste. Eine Lösung, die über viele Jahre gelaufen ist und dem Team das Leben deutlich leichter gemacht hat. Ohne sie wären die Basare in dieser Größe gar nicht machbar gewesen.
Nur: Sie war irgendwann nicht mehr auf dem Stand, den man heute von Software erwartet. Kein Smartphone, keine Echtzeit, keine Möglichkeit, dass Verkäuferinnen selbst etwas nachschauen. Und – das war der Punkt, an dem es kippt – sie wurde nicht mehr weiterentwickelt. Ein Werkzeug, das stehen bleibt, wird nicht schlagartig schlecht. Es wird langsam mühsam.
Genau an dieser Stelle stand der Elternbeirat Fronberg: mit einem System, das man dankbar sein durfte zu haben, und dem Gefühl, dass es so nicht ewig weitergeht.
Warum das Ding „Muki” heißt
Die Frage kommt oft, und die Antwort hat wenig mit Marketing zu tun. Ramona bringt es auf den Punkt:
„Warum Muki? Weil wir gemeinsam dadurch eine Mukifamilie geworden sind. Eine familiäre Freundschaft hat sich entwickelt. Kinderkleidung dealen wir eh – dann auch legal 😂”
Das klingt nach einem Witz, ist aber ziemlich genau die Wahrheit. Aus einem Organisationsteam ist über die Jahre eine Truppe geworden, die sich auch dann trifft, wenn kein Basar ansteht. Der Basar hat diese Leute zusammengeschweißt – und der Name hat das einfach mitgenommen.
Was wirklich Arbeit macht (und selten jemand sieht)
Wer nur den Verkaufstag erlebt, sieht zwei, drei Stunden volle Halle. Die Arbeit liegt drumherum.
Die Organisation vorher. Nummern vergeben, Anmeldungen verwalten, Nachrücker einsortieren, Absagen auffangen, Helferschichten füllen, Kuchenlisten führen. Das zieht sich über Wochen.
Der Aufbau. Tische aus dem halben Schulhaus zusammentragen, Kleiderstangen stellen, Absperrungen, Kasse, Beschilderung. Eine Turnhalle wird nicht von selbst zum Kaufhaus.
Das Rücksortieren. Der Teil, den niemand auf dem Zettel hat, wenn er zum ersten Mal mithilft – und der Teil, der wirklich weh tut. Nach dem Verkauf muss jedes einzelne unverkaufte Teil zurück zu der Person, der es gehört. Bei 150 Verkäuferinnen und mehreren tausend Artikeln. Am Abend, wenn alle schon seit dem Morgen auf den Beinen sind.
Der Abbau. Und danach muss die Halle wieder eine Halle sein. Am Montag ist Sport.
Genau dieser Block – Organisation, Auf- und Abbau, Rücksortieren – ist der Grund, warum MukiBasar so aussieht, wie es aussieht. Nicht die schöne Verkaufsansicht war der Anlass, sondern der Sonntagabend.
Wofür das Ganze am Ende gut ist
Der Erlös bleibt bei den Kindern der Schule. Ganz konkret wird daraus zum Beispiel:
- Fahrten in den Zoo – für alle, unabhängig davon, was zuhause gerade geht
- Küchenausstattung für das gesunde Pausenbrot – vom Schneidebrett bis zum vernünftigen Gerät, damit das Ganze überhaupt regelmäßig stattfinden kann
- Nikolaus- und Osterkörbchen für jedes Kind
- Das verkleidete Faschingsfrühstück – gesundes Pausenbrot, aber in Kostüm, und finanziell komplett vom Basar getragen
Das sind keine großen Anschaffungen mit Messingschild. Es sind die Dinge, die den Schulalltag von „geht schon” zu „war schön” verschieben. Und sie hängen daran, dass zweimal im Jahr genug Leute bereit sind, ein Wochenende zu opfern.
Wenn andere anfangen zu fragen
Eines sollte man an dieser Stelle klarstellen: MukiBasar war nie als Produkt gedacht. Es sollte den Basar in Fronberg leichter machen, mehr nicht. Kein Businessplan, keine Zielgruppe, keine Idee, dass das irgendwann jemand anderes benutzt. Es war schlicht Werkzeug für ein Team, das ich kenne.
Dass daraus mehr geworden ist, lag nicht an uns, sondern an Nachfragen. Fronberg ist inzwischen die Adresse, bei der andere anrufen. Wie macht ihr das mit den Nummern? Wie kriegt ihr die Schlange an der Kasse kurz? Wie läuft bei euch die Abrechnung? Und irgendwann kam der Satz, der alles verändert hat: „Könnten wir das auch haben?”
Der Basar des SC Kreith/Pittersberg ist eines der Beispiele, bei denen aus so einem Gespräch etwas Eigenes geworden ist. Erst durch diese Anfragen wurde aus dem internen Werkzeug etwas, das man anderen guten Gewissens in die Hand geben kann. Und das ist genau die Richtung, in die das gehen soll: Kein Basar muss die Lernkurve nochmal von vorne durchlaufen, die ein anderes Team schon hinter sich hat.
Danke
MukiBasar gäbe es ohne den Elternbeirat der Grundschule Fronberg schlicht nicht. Nicht als Idee, nicht als Software, nicht in der Form, die heute in anderen Turnhallen läuft. Jede Funktion, über die wir hier im Blog schreiben, hat irgendwann als Satz angefangen, den jemand aus diesem Team nach einem langen Basartag gesagt hat.
Für uns sind das die Helden der Turnhalle. Auch wenn sie sich selbst eher als Mukifamilie bezeichnen würden. 💖