Der Karton steht seit drei Wochen im Flur. Größe 86, komplett durchgetragen, und jedes Mal beim Vorbeigehen denkst du: Das muss weg. Dann kommt die Mail vom Kindergarten – Anmeldung für den Herbstbasar ist offen – und plötzlich hast du zwei Wochenenden Zeit, aus dem Karton Geld zu machen.
Vorweg, damit klar ist, woher das hier kommt: Ich organisiere selbst keine Basare. Ich baue die Software, mit der sie organisiert werden, und sitze deshalb ziemlich oft neben Orga-Teams, wenn die Halle voll ist und die Kisten zurückgehen. Was dabei jedes Mal auffällt: Manche Kisten kommen fast leer zurück, andere fast voll – und das hat erstaunlich selten mit der Ware zu tun und erstaunlich oft mit den zwei Abenden davor.
Diese zwölf Punkte sind die Summe daraus. Sie gelten für vorsortierte Basare, also die mit der Verkäufernummer, bei denen du deine Sachen abgibst und wieder nach Hause fährst, statt selbst hinter einem Tisch zu stehen.
1. Melde dich früh an
Ein guter Basar in einer mittelgroßen Gemeinde ist innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Die Zahl der Verkäufernummern hängt schlicht daran, wie viele Ständer und Tische in die Halle passen und wie viele Leute am Sonntagabend zurücksortieren können – das ist keine Schikane, das ist Statik und Ehrenamt.
Praktisch heißt das: Trag dir den Anmeldestart in den Kalender, nicht den Basartag. Und wenn du mehrere Basare in der Umgebung im Blick hast, melde dich bei zweien an. Absagen geht fast immer, Nachrücken selten.
2. Lies die Regeln deines Basars
Jedes Team macht es ein bisschen anders, und die Unterschiede sind genau die, über die man an der Warenannahme stolpert.
Typische Punkte: Wie viele Artikel darfst du abgeben? Welche Kategorien werden angenommen – nur Kleidung und Spielzeug, oder auch Umstandsmode, Bücher, Sportgeräte? Werden Großteile wie Kinderwagen, Fahrräder oder Autositze überhaupt in die Halle gelassen, oder ist das aus Platzgründen ausgeschlossen? Und: Wie sollen die Preisschilder befestigt werden?
Das steht in der Regel in der Beschreibung der Veranstaltung. Fünf Minuten Lesen sparen dir später die Diskussion an der Theke.
3. Miste nach Saison aus, nicht nach Schrank
Der häufigste Grund, warum ein Teil unverkauft zurückkommt, ist banal: Es ist gerade nicht die Zeit dafür.
Auf dem Herbstbasar suchen Eltern Übergangsjacken, Matschhosen, Gummistiefel, lange Hosen. Im Frühjahr sucht dieselbe Person Kurzarm, Sandalen, Regenjacke. Deine schöne, teuer gekaufte Schneehose verkauft sich im März nicht, weil der Winter für alle gerade durch ist – im Oktober dagegen ist sie eins der ersten Teile, die weg sind.
Also: Sortier nicht den ganzen Schrank in die Kiste, sondern die Saison. Der Rest wartet auf den nächsten Termin, und du sparst dir das Schleppen.
Wer das konsequent macht, sammelt gar nicht mehr kurz vor dem Basar, sondern das ganze Jahr über in zwei Saisonkisten – und ist am Basartag in fünf Minuten fertig. Wie dieses Kisten-System funktioniert, haben wir separat aufgeschrieben.
4. Wasch, prüf, sortier gnadenlos aus
Das hier ist unbequem, aber es ist der Punkt mit dem größten Effekt.
Geh jedes Teil einmal in Ruhe durch, am besten bei Tageslicht: Flecken auf der Brust, Knie durchgescheuert, Bündchen ausgeleiert, Knopf fehlt, Reißverschluss hakt, Pilling an den Ärmeln. Alles, was du in dem Zustand selbst nicht kaufen würdest, kauft auch sonst niemand – es fährt nur einmal quer durch den Landkreis und wieder zurück.
Was übrig bleibt: waschen, ordentlich zusammenlegen, bei Blusen und Hemden auch bügeln. Gepflegte Ware verkauft sich messbar besser, und beim vorsortierten Basar besonders, weil dein Teil zwischen dreißig anderen auf demselben Stapel liegt. Der erste Eindruck ist das Einzige, was du noch beeinflussen kannst, wenn du längst wieder zu Hause bist.
Und die Teile, die es nicht schaffen? Altkleidersammlung oder Putzlappen. Nicht zurück in den Flur.
5. Setz Preise, die verkaufen
Beim sortierten Basar wird nicht gefeilscht. Es steht niemand am Stapel, der sagt „na gut, dann fünf Euro“. Der Preis auf dem Schild ist der Preis – er muss also beim ersten Mal sitzen.
Faustregel aus der Praxis, ausdrücklich kein Gesetz: ein Viertel bis ein Drittel vom Neupreis, je nach Zustand. Marken, die Eltern kennen, Holzspielzeug und gut erhaltene Winterjacken halten mehr. Billige Basic-Shirts halten fast nichts – da bist du schnell bei ein bis zwei Euro, und das ist völlig in Ordnung.
Der ehrlichste Test ist die Gegenfrage: Was würdest du selbst dafür zahlen, wenn du das Teil auf dem Stapel findest? Der Betrag, der dir dabei einfällt, ist meistens näher an der Wahrheit als der, den du gerade eintippen wolltest.
Das Schöne ist: Du erfährst hinterher, ob du richtig lagst. Läuft der Basar über MukiBasar, zeigt dir die App nach dem Verkauf den Durchschnittspreis deiner verkauften und deiner übrig gebliebenen Teile. Liegen die weit auseinander, sagt sie es dir direkt – „Deine teureren Stücke sind häufiger zurückgekommen“. Dazu die übliche Verkaufsquote auf diesem Basar als Vergleich. Das ist keine Note, das ist eine Preishilfe fürs nächste Mal.
6. Bündle Kleinkram zu Sets
Einzelne Socken, einzelne Bodys, drei Bauklötze, das halbe Puzzle: Für 50 Cent das Stück lohnt sich weder das Etikett noch der Scan an der Kasse – und die Käufer greifen ohnehin lieber zum Set.
Also zusammenbinden oder in einen durchsichtigen Beutel packen: fünf Bodys Größe 62, drei Paar Socken, ein Puzzle komplett mit Karton. Ein Preis, ein Etikett, ein Griff. Aus fünf zähen Einzelteilen wird ein Ding, das gekauft wird.
Wichtig ist nur, dass man von außen sieht, was drin ist. Ein zugeklebter Beutel, bei dem niemand die Größe erkennt, bleibt liegen.
7. Druck die Etiketten rechtzeitig – und bring sie fest an
Der Abend, an dem der Drucker streikt, ist zuverlässig der Abend vor der Warenannahme. Plan das ein.
Wenn dein Basar mit MukiBasar läuft, hast du zwei Möglichkeiten: den A4-Bogen mit 16 Etiketten pro Seite für den ganz normalen Drucker zu Hause, oder ein Etikettendrucker, falls du einen hast. Beides ergibt dasselbe Schild mit QR-Code, Name, Preis und Größe. Ausschneiden, ordentlich, nicht schief – die Kasse muss den Code später sauber lesen können.
Beim Anbringen richtest du dich nach deinem Veranstalter: Meistens ist Klebeband die Vorgabe, manchmal ein Faden durchs Knopfloch oder eine Etikettenhülle. Was du in keinem Fall nehmen solltest, sind Nadeln – sie hinterlassen Löcher in Ware, die du verkaufen willst, und beim Wühlen sind sie eine Verletzungsgefahr. Fest muss es trotzdem sitzen. Ein Etikett, das sich beim dritten Durchwühlen löst, macht aus deinem Teil ein herrenloses Teil – und herrenlose Teile werden nicht verkauft, sondern eingesammelt.
Wie das im Detail läuft, steht im Guide zu den Etiketten.
8. Nach dem Druck ändern sich keine Preise mehr
Klingt pedantisch, ist aber der häufigste Fehler überhaupt.
Du druckst die Etiketten, klebst sie auf, und abends fällt dir ein, dass die Jacke doch zwölf statt acht Euro wert ist. Du änderst den Preis in der App – und jetzt steht auf dem Schild etwas anderes als im System. An der Kasse fällt genau das auf: Die App meldet, dass Etikett und aktueller Preis nicht zusammenpassen, und der Artikel geht so nicht durch.
Die Regel ist deshalb einfach: Erst alle Preise final machen, dann drucken. Und wenn du doch noch etwas änderst, druck das eine Etikett neu. Spätestens ab der Warenannahme ist die Frage sowieso erledigt – ab da sind deine Artikel gesperrt, damit der Preis auf dem Schild garantiert zu dem passt, was die Kasse abrechnet.
9. Pack die Kiste so, dass du sie auch tragen kannst
Der Weg vom Parkplatz zur Turnhalle ist immer länger als gedacht, und es regnet öfter, als einem lieb ist.
Nimm stabile Kisten oder feste Kartons statt Müllsäcke – gestapelte Säcke rutschen, reißen und werden in der Halle zum Problem. Lieber zwei mittlere Kisten als eine, die du zu zweit heben musst. Ein Bollerwagen, eine Sackkarre oder ein Rollkoffer machen aus drei Gängen einen.
Und schreib deinen Namen und deine Verkäufernummer auf die Kiste. Bei MukiBasar kannst du dafür das Kistenschild drucken: Verkäufernummer plus QR-Code, den das Team an der Theke einfach scannt. Das geht schneller, als deine Nummer über den Lärm hinweg vorzulesen.
10. Bring die unterschriebene Artikelliste mit
Die Artikelliste ist das Dokument, das du an der Warenannahme abgibst: alle deine Artikel mit Nummer, Größe und Preis, dazu deine Kontaktdaten, deine Verkäufernummer, die Gesamtsumme und die Teilnahmebedingungen des Vereins.
Bring sie ausgedruckt und unterschrieben mit. Sie ist dein Beleg darüber, was du abgegeben hast – und wenn am Ende des Tages etwas unklar ist, ist sie die Grundlage, auf die sich beide Seiten beziehen. Ohne Liste wird die Annahme zäh, und die Schlange hinter dir wird länger.
Hast du zwischendurch noch Artikel geändert oder ergänzt, druck die Liste neu; die alte stimmt dann nicht mehr. Die Checkliste vor der Abgabe geht das der Reihe nach durch.
11. Meld dich als Helfer:in
Der beste Deal des Tages steht nirgends im Aushang: Wer eine Schicht übernimmt, darf in aller Regel vor der offiziellen Öffnung einkaufen.
Eine Stunde vor dem Ansturm durch eine vollständig sortierte Halle zu gehen, ist ungefähr das Wertvollste, was ein Basar zu vergeben hat – gerade wenn du selbst noch die nächste Größe brauchst. Dazu kommt: Die Teams suchen praktisch immer Leute für Aufbau, Kasse und Rücksortieren, und sie machen das alles ehrenamtlich neben Job und Familie.
Es ist die eine Sache in dieser Liste, bei der beide Seiten gewinnen. Frag einfach, wenn du dich anmeldest.
12. Abrechnung und Abholung
Zwei Dinge, die viele am Basartag vergessen.
Die Provision. Üblich sind 15 bis 20 Prozent, die der Verein einbehält – genau das Geld, das am Ende in Spielgeräte, Ausflüge oder neue Bücher fließt. Rechne den Abzug von Anfang an mit ein, dann ist die Auszahlung keine Überraschung. Läuft der Basar digital, siehst du schon während des Verkaufs mit, was weggeht, was an Gebühren anfällt und was voraussichtlich für dich übrig bleibt.
Die Abholung. Sie steht im Zeitplan, sie ist meistens knapp, und sie ist der Moment, in dem alle müde sind. Trag dir das Zeitfenster ein wie einen Termin. Und überleg vorher, was mit dem passieren soll, was übrig ist: Viele Basare bieten an, Unverkauftes direkt zu spenden – an Sozialkaufhäuser, das Rote Kreuz oder lokale Hilfsorganisationen. Ein Satz an der Theke, und der Karton steht nicht wieder drei Wochen im Flur.
Also: Was verkauft sich wirklich?
Nichts Geheimnisvolles. Saubere Ware, die zur Jahreszeit passt, ehrlich bepreist, mit einem Etikett, das hält. Der Rest ist Vorbereitung an zwei Abenden – und die entscheidet, ob du am Sonntag eine leere Kiste und einen Umschlag abholst oder dieselbe Kiste wie am Freitag.
Du weißt noch nicht, wo dein nächster Basar ist? Auf unserer Basar-Übersicht findest du Termine in deiner Nähe, mit Anmeldezeitraum und Warenannahme.
Und falls dein Basar noch mit Excel-Liste, handgeschriebenen Nummern und Taschenrechner läuft: Zeig deinem Orga-Team, dass es auch anders geht. Die Leute, die dort ehrenamtlich das ganze Wochenende stehen, freuen sich mehr darüber, als du denkst.